Derzeit gehören 10 Männer- und 10 Frauenklöster zur Beuroner Kongregation, wobei jedes Kloster sein Profil in die Kongregation einbringt. In der Kongregation wird somit eine Vielfalt benediktinischen Lebens sichtbar.
Eine Verbindung der Klöster wird zunächst durch die gemeinsamen Konstitutionen, durch das Generalkapitel und die Kongregationsleitung hergestellt. Die Kongregation wird vom Abtpräses geleitet, der durch das Generalkapitel für sechs Jahre gewählt ist. Ihm stehen zwei Äbte und zwei Äbtissinnen als Rat zur Seite.
Daneben gibt es verschiedene Kommissionen und Arbeitsgruppen und die jährlich tagende Äbtekonferenz auf der sich die Höheren Oberen und Oberinnen treffen und austauschen.
Schwerpunkte im monastischen Leben sind für die Beuroner Kongregation die Pflege der Liturgie, das Leben in Gemeinschaft und die Offenheit für Gäste, sowie das Miteinander von Mönchen und Nonnen in der gleichen Kongregation.

 

Zur geschichtlichen Entwicklung

Der Beginn
Am Anfang der Kongregation stehen die beiden Brüder Maurus (* 1825, + 1890) und Placidus (* 1828, + 1908) Wolter aus Bonn, die als Priester des Erzbistums Köln 1856/57 in die Benediktinerabtei St. Paul vor den Mauern (Rom) eintraten. 1860 kehrten sie nach Deutschland zurück, um in ihrer Heimat den Benediktinerorden neu zu beleben.
Nach einem ersten Gründungsversuch in Materborn bei Kleve siedelte die kleine Gemeinschaft 1862 in das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Beuron in Hohenzollern über. 1863 wurde das Kloster zum Konventualpriorat erhoben und Maurus Wolter sein erster Prior.
Gleich in den ersten Jahren nahm man Kontakt mit den Benediktinern in Solesmes auf und ließ sich in vielerlei Hinsicht von dieser Gemeinschaft inspirieren. 1866 wurden die ersten Deklarationen, die sich eng an die von Solesmes anlehnten, vom Diözesanbischof von Freiburg bestätigt. Schon in diesem Text ist von einer "Kongregation" die Rede, obwohl es bisher nur ein einziges Kloster gab.
Erste Gründungen

1872 glückte in Maredsous/Belgien die erste Gründung. 1875 mußten die Mönche während des Kulturkampfes Beuron verlassen und gründeten im Ausland zahlreiche Klöster: 1876 Erdington bei Birmingham, 1880 Emaus in Prag, 1883 Seckau in der Steiermark. 1887 konnten die Mönche nach Beuron zurückkehren, und die Erzabtei bildete nun mit den genannten Klöstern bereits einen stattlichen Klosterverband. Weitere Gründungen folgten: 1888 wurde in Löwen/Belgien ein Studienhaus eingerichtet, aus dem 1899 die Abtei Mont César-Keizersberg hervorging. 1889 wurde das erste Frauenkloster, St. Gabriel in Prag-Smichnow errichtet. 1892 begannen die Mönche in Maria Laach das feierliche Gotteslob. 1893 kam ein zweites Frauenkloster in Maredret/Belgien dazu.

Besonderes Engagement im Ausland
Ab 1894 engagierte sich die Kongregation in Brasilien und reformierte dort zahlreiche Klöster. Im gleichen Jahr schlossen sich zwei Gemeinschaften in Portugal der Beuroner Kongregation an (Cucujaes und Singeverga). 1897 übernahmen Beuroner Mönche die Leitung des Griechischen Kollegs S. Atanasio/Rom und reformierten auch italienische Klöster (z.B. Cesena).
1904 wurde in Westfalen das Kloster St. Joseph/Gerleve gegründet und noch im gleichen Jahr das Frauenkloster St. Hildegard/Eibingen. 1906 erfolgte die kanonische Errichtung des Priorates Mariä Heimgang (Dormitio) auf dem Sion/Jerusalem.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen
Der Erste Weltkrieg bedeutete für die blühende Kongregation einen massiven Einschnitt. In seiner Folge trennten sich 1920 die belgischen Klöster von der Kongregation und bildeten eine eigene belgische Kongregation. 1919 wurde der Konvent aus Erdington ausgewiesen. Im gleichen Jahr wurden die Klöster Neresheim und Grüssau gegründet. 1920 mussten die Schwestern aus Prag aus politisch-nationalen Gründen in die Steiermark übersiedeln. 1922 erfolgte die Wiedererrichtung der Abtei St. Matthias in Trier, die in der Säkularisation aufgelöst worden war. Bis 1950 gehörte St. Matthias zur Beuroner Kongregation, danach schloss sich die Gemeinschaft der belgischen Kongregation an. Ebenfalls 1922 wurde das Kloster Weingarten durch die vertriebenen Mönche aus Erdington wiederbelebt und eine Gründung in Altwasser (Mähren) versucht, die jedoch 1930 aus politisch-nationalen Gründen wieder aufgegeben werden musste.

Neuaufbruch nach dem Krieg
1924 schlossen sich zwei Frauenklöster der Kongragation an: Herstelle und Kellenried. Im gleichen Jahr begannen Mönche aus Emaus mit dem Gotteslob in Lublin (Polen), diese Gemeinschaft wurde 1939 unter nationalsozialistischer Herrschaft aufgelöst. 1926 wurde das Stift Neuburg bei Heidelberg durch Beuroner Mönche bezogen. Ein Jahr später schloß sich die Abtei Vaals (Holland) der Kongregation an, trennte sich jedoch 1947 wieder. Seit 1931 bemühte sich Beuron um eine Gründung in Japan. 1936 wurde das Kloster Tonogaoka eröffnet, das 1940 an die Kongregation von St. Ottilien übergeben wurde.

Veränderungen in der Kongregationsleitung
Auf dem 14. Generalkapitel der Beuroner Kongregation in Neresheim 1936 erfolgte bezüglich der Leitung der Kongregation eine entscheidende Veränderung. Bisher war das Leitungsamt grundsätzlich mit der Erzabtei verbunden gewesen, d. h. der Erzabt von Beuron war gleichzeitig Leiter der Kongregation. Jetzt wurde dieses Erzabt-System von dem föderativen Präses-System abgelöst. Zum Abtpräses wurde einer der amtierenden Äbte für die Zeit zwischen zwei ordentlichen Generalkapiteln, die in der Regel alle sechs Jahre stattfinden, gewählt. Erster Abtpräses wurde Abt Raphael Molitor aus der Abtei Gerleve.

Der Zweite Weltkrieg
Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte die Kongregation mit nahezu 1500 Mitgliedern den höchsten Personalstand erreicht. Durch den Krieg erlitten die Klöster schwere Verluste: Viele Gemeinschaften wurden aufgelöst, es durfte kein Nachwuchs aufgenommen werden, zahlreiche Mönche wurden eingezogen und fielen, die ausländischen Klöster trennten sich von der Kongregation.

Neugründungen nach dem Zweiten Weltkrieg
1948 eröffneten die aus Grüssau vertriebenen Mönche das Gotteslob im ehemaligen Ritterstift in Bad Wimpfen, ein Jahr später wurde die ehemalige Abtei in Tholey durch Mönche aus St. Matthias/Trier, Beuron und Maria Laach neubesiedelt. Ebenfalls 1949 wagten Mönche aus der Beuroner Kongregation gemeinsam mit Mönchen aus Solesmes eine Gründung in Las Condes (Chile), 1975 trat dieses Kloster der Kongregation Cono Sur bei. 1951 wurden die ersten Mönche von Gerleve nach Nütschau gesandt zur bisher letzten Gründung eines Männerklosters in der Beuroner Kongregation.

Zuwachs durch Frauenklöster
1962 wurde von Herstelle aus das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Engelthal wiederbesiedelt. In den siebziger und achtziger Jahren wuchs die Zahl der Frauenklöster in der Beuroner Kongregation an, da bereits bestehende Klöster sich dem Klosterverband anschlossen: 1974 wurde die Abtei Säben (Südtirol) aggregiert (1995 inkorporiert), 1980 die beiden Abteien Fulda und Varensell und 1988 das Priorat Åsebakken (Dänemark). Im gleichen Jahr gründete die Abtei Eibingen in Marienrode ein neues Kloster, das 1998 zum selbstständigen Priorat erhoben wurde.


Die wechselhafte Geschichte der Kongregation zeigt, wie vielgestaltig benediktinisches Leben innerhalb einer Kongregation sein kann. Phasen des Aufbruchs und der Blüte, wechseln mit schwierigen Zeiten ab. Veränderungen zeugen von Lebendigkeit und Unterwegssein. Was allen Gemeinschaften der Kongregation immer wichtig war und weiterhin wichtig ist, ist die Suche nach Gott, die Nachfolge Christi in der konkreten Gestalt, die die Regel Benedikts vorgibt, ein Leben der Hingabe zum Lob der Herrlichkeit Gottes. Äußere Formen haben sich geändert, der Kern des geistlichen Profils der Beuroner Kongregation ist geblieben.

© 2002 Sr. Johanna Buschmann
Benediktinerinnenabtei Varensell
33397 Rietberg
05244-52970